Über mich

 

Wie ich zu den Kaninchen und zur Homöopathie kam…

Eigentlich beschäftige ich mich schon ein Leben lang mit vielen Tierarten. Dass verschiedene Tierarten verschiedene Ansprüche haben und man diese Ansprüche meist von ihren wildlebenden Artgenossen zwar ableiten kann, aber im Zusammenleben mit dem Menschen selten eins zu eins umsetzen kann, verstand ich schon sehr früh. Mein erstes Haustier bekam ich in jungen Jahren. Es war Wellensittich Willi, wenig später kam Wellensittich Jonny dazu. Damals wollte ich alles über Wellensittiche wissen und verschlang Bücher über Herkunft, Verhalten, Haltung und Fütterung.

Doch ich wollte immer ein Kaninchen haben. Meine Schulfreundin hatte eins und ich verliebte mich sofort in dieses Langohr. Als ich dann in meine erste eigene Wohnung zog, erfüllte ich mir diesen Wunsch. Zuerst kaufte ich natürlich Kaninchenbücher zu Haltung und Fütterung. Leider waren es damals entweder die falschen Bücher oder die Bücher, die allgemein zugänglich waren, waren nicht sehr gut. Nach damaligem Stand also „gut“ informiert kaufte ich Käfig, Streu, Heu, Napf, Trinkflasche und Futter. Danach zog Halbangora Luisa ein. Es tut mir bis heute leid, dass Luisa nicht das Glück erfahren durfte, mit Artgenossen zusammenzuleben. Was die Bücher an Informationen damals hergaben, war teilweise jenseits von Gut und Böse. Dennoch hatte Luisa mit dem damaligen „Schlimmfutter“ wie es heute in Tierschutzkreisen genannt wird, weniger gesundheitliche Probleme als meine Kaninchen, die ich später aufnahm und nach „Tierschutzrichtlinien“ fütterte. Luisa musste selten zum Tierarzt und wurde 7 Jahre alt. Für eine Angoramixdame war das ein gutes Alter.

2006 zogen wieder Kaninchen ein. Diesmal zu zweit. Anton und Lucy, 6 Monate und 3 Monate alt. Ich fütterte zuerst ein paar Monate ein gutes „Schlimmfutter“ und den Beiden ging es gut. Dann stieß ich im Internet auf die ersten Tierschutzseiten, die über Kaninchen berieten. Überall las ich „Getreide ist schädlich!“ und nur „Gemüse und Heu ist artgerecht“.  Ich stellte die Fütterung so um, wie beschrieben. Meine Tiere zehrten noch eine Weile vom „Schlimmfutter“ und als das Depot aufgebraucht war, fingen 2007 die ersten gesundheitlichen Probleme an.

Anton wurde schwer krank. Es begann mit Zahnproblemen, die aufgrund von fehlerhaften Behandlungen bei einem nicht zahnkundigen TA immer schlimmer wurden, Verdauungsprobleme und Blasengrieß nahmen immer mehr zu, bis hin, dass er aus tierärztlich unerklärlichen Gründen, keine Körperspannung mehr hatte und dem Tod näher wie dem Leben war.
Ich rannte mit Anton von einem Tierarzt zum Anderen und ließ ihn in einer Tierklinik „auf den Kopf stellen“, nur um endlich Klarheit zu bekommen, was ihm fehlt. Keiner der Tierärzte konnte es mir sagen. An dem Punkt, als ich darüber nachdachte, ihn zu erlösen, suchte ich als allerletzte Möglichkeit nach einer Tierheilpraktikerin. Ich hatte zu dieser Zeit noch keine Vorstellung davon, was Homöopathie ist, es war mir aber auch egal, ich habe einfach nur noch befolgt, was mir die THP riet, es war ja die letzte Chance für Anton. Die THP erkannte anhand Antons Blutbild eine Leberzirrhose, es war 5 vor 12! Ich bekam ein kleines braunes Fläschchen mit einer Flüssigkeit verschrieben, die ich ihm nach einem bestimmten Schema geben musste.
Mit meiner Intensivpflege und dem -wie ich erst sehr viel später wusste- homöopathischen Mittel erholte sich seine Leber und nach 4 Wochen ging es ihm besser.

Doch leider war die Fütterung noch immer nicht gut. Noch immer glaubte ich, dass Heu und Gemüse eine „artgerechte“ Ernährung für Kaninchen ist. Wurde es doch überall im Tierschutz und von Tierärzten immer wieder erklärt. Meine Vorstellung vom Tierschutz war eindeutig, der will doch den Tieren sicher nur helfen! Doch leider hatte ich mich getäuscht.
Erst als Anton von den rund 20 Näpfen, die ich fein säuberlich der Reihe nach aufstellte mit allen möglichen getrockneten Kräutern, getrocknetem Gemüse und Saaten (diese wurden als einziges Trockenfutter vom Tierschutz „erlaubt“!) nichts mehr anrührte, führte mich die Verzweiflung in den Futterladen und ich kaufte heimlich „verbotenes“ Vitakraft-Futter. In den Tierschutzforen durfte ich von meiner „Sünde“ nichts schreiben, hätte man mich doch gleich wieder der Verantwortungslosigkeit bezichtigt, wie mir nur einfallen könnte, Getreide und „Schlimmfutter“ zu füttern. Ich behielt es für mich, war aber glücklich, weil ich endlich etwas gefunden hatte, was Anton futterte.

Damals fing ich das erste Mal an, kritisch über einige Tierschutzpraktiken nachzudenken. Hinzu kam ja noch das Thema „Homöopathie“, von dem ich immer mehr überzeugt war und meine THP immer mehr auch bei anderen Erkrankungen um Rat fragte. Die Homöopathie war ein weiterer Dorn im Auge des Tierschutzes, das erkannte ich schnell, nachdem ich nur einige Male über die Erfolge mit der Homöopathie berichtete und anderen Tierhaltern bei schulmedizinisch austherapierten Fällen riet, es mit Homöopathie zu versuchen. Gleichzeitig beobachtete ich jedoch, wie in Foren Tipps ausgetauscht wurden, wie z.B. mit „scharfen Löffeln“ im Hausgebrauch bei Kaninchenabszessen zu verfahren ist. Aussagen wie „das tut ihnen nicht weh“ oder „ach, das vergessen sie schnell auch wieder“, trafen mich jedesmal mitten ins Herz und ich fragte mich, wieso Menschen, die sich den Tierschutz auf die Fahne schreiben, so wenig Empathie für eine Tierart aufbringen, von der bekannt ist, dass sie für den Menschen eine kaum erkennbare Körpersprache haben, kaum bis keine Mimik zeigen und zudem nur in den allerseltensten Fällen (Schmerz-)Laute von sich geben.

Obwohl ich bei Anton zeitweise wieder mit der Fütterung eines Alleinfutters begann, hielt ich dennoch leider weiterhin an der allseits propagierten Gemüsefütterung fest, bis ich jedoch in einem der Kaninchenforen eine Diskussion zur Wiesenfütterung von Kaninchen las. Ich musste eigentlich dann gar nicht mehr allzu viel lesen, denn was lag näher als Kaninchen mit naturnahem Futter zu füttern? Doch stellte ich bald fest, dass die Qualität der Wiese von der Witterung und dem Wachstumsstadium abhängig war und meine Versuche, Gemüse, trockene Kräuter und verschiedene Sämereien weiter als Zugabe zu füttern, funktionierte nicht. Soll heißen, meine Kaninchen litten weiter unter Erkrankungen, die man einer mangelhaften Ernährung zuschreiben konnte. Erst als ich konsequent die Wiesenfütterung mit einem guten Alleinfutter ergänzte, dem Vitamine, Mineralstoffe und Vitamin D zugesetzt wurde, lösten sich diese Probleme.

Und so machte ich immer mehr eigene gute Erfahrungen und befreite mich irgendwann gänzlich von den Vorstellungen des Internet-Tierschutzes.

Ich wollte einen anderen Tierschutz. Einen, in dem Kaninchen so selbstbestimmt wie möglich leben dürfen, immer im Bewusstsein, dass „artgerecht“ nur die Freiheit wäre, diese jedoch für Hauskaninchen aus Zucht-, Rasse- und gesetzlich bestimmtem Rahmen aus guten Gründen nicht zur Verfügung steht. Ein selbstbestimmtes Leben beinhaltet z.B., dass es als Fluchttier nicht 3 bis 5mal täglich über einen längeren Zeitraum eingefangen wird, um es zu behandeln, zu streicheln, es mit (noch) unbekannten Artgenossen oder unverträglichen Partnertieren zwanghaft zusammenzupferchen und liebende Pärchen wieder voneinander zu trennen, ihnen (mangelhaftes) Futter vorzusetzen, das der Mensch für sie bestimmt hat und jeden Grashalm 10mal geprüft hat, ob es auch aus Sicht des Menschen „kaninchenwürdig“ ist. Wenn man das Verhalten von Kaninchen versteht und ihnen im Rahmen der (menschlichen) Möglichkeiten den Freiraum lässt, entwickeln sie sehr schnell außergewöhnliches Vertrauen zum Menschen. Die Homöopathie ist dafür eine gute Hilfe, auch im Krankheitsfall das Vertrauen zum Menschen zu erhalten.

Immer wieder fanden Kaninchen zu mir, die aus schlechten Verhältnissen kamen, oft schon krank und manchmal auch schon sehr alt waren. Mit Hilfe der Homöopathie, schulmedizinischer Diagnostik und etwas medikamentöser Hilfe, lag mir sehr am Herzen, dass sie bei mir ein weitgehend und im Rahmen der Möglichkeiten selbstbestimmtes, stressfreies und glückliches Kaninchenleben führen durften. Leider musste ich mein kleines Kaninchenhospiz aufgeben, seit im Jahr 2016 in ganz Deutschland die Seuchengefahr für Kaninchen ihren Höhepunkt erreicht hat und ich zur Zeit keine Quarantänemöglichkeit habe, um kranke Tiere, die nicht geimpft werden können, unterzubringen. Heute leben daher ausschließlich gesunde und impffähige Kaninchen bei mir.

In der Zwischenzeit habe ich selbst eine Ausbildung zur Tierheilpraktikerin und eine Zusatzausbildung in Homöopathie in der Organonschule in Pohlheim und im Zentrum für klassische Homöopathie in Karlsruhe absolviert, habe inzwischen 11 Jahre Erfahrung mit Allerlei Kaninchenkrankheiten jeden Alters, insgesamt 9 Jahre mit der homöopathischen Behandlung von Kaninchen und seit 2014 führe ich selbst eine tierhomöopathische Praxis und es finden neben Hund, Katze, Vogel, Schildkröte, Nager etc. im Verhältnis viele Kaninchen zu mir in die Praxis, denen ich mit meiner langjährigen Erfahrung helfen kann.

Wie im tiermedizinischen Studium der Tierärzte werden Kaninchen, Nager, Vögel und Reptilien auch in der Tierheilpraktiker-Ausbildung eher stiefmütterlich behandelt. Tierheilpraktiker und Tierärzte sind bei diesen Tierarten auf ihre Erfahrungen und Weiterbildungsmöglichkeiten angewiesen.

Nach wie vor sind kaninchenerfahrene Tierärzte für mich die erste Anlaufstelle, wenn Unklarheiten über die Gesundheit von Kaninchen bestehen, das ist für mich selbstverständlich, gerade weil Kaninchenkrankheiten nicht immer einfach zu erkennen sind und man ohne tiermedizinische Diagnostik oft im Dunkeln tappt, aber auch die Homöopathie hat nunmal ihre Grenzen. Keine Behandlungsform kann für sich alleine bestehen und da sehe ich meine Aufgabe, die Grenzen einer Behandlungsform zu erkennen und zum Wohle des Tieres die beste Möglichkeit einer Behandlung oder Gesunderhaltung in Betracht zu ziehen.

Doch ist mein Anliegen natürlich in erster Linie meine Erfahrungen mit Kaninchen aus Sicht der Tierhomöopathie und eine ganzheitliche Betrachtungsweise aus Kaninchensicht weiterzugeben.

Miriam Einy
Kaninchenfreundin & Tierhomöopathin
August 2017