Myiasis – Fliegenmadenbefall bei Kaninchen und Nager

Schmeißfliegen legen ihre Eier am Liebsten auf stark riechendes verdorbenes organisches Material. Angelockt werden sie durch Geruchsstoffe, die bei der Verwesung von Gewebe und Abbau von Eiweißen durch Bakterien entstehen. Die bekanntesten Schmeißfliegen sind hierzulande  die auffällig grün- oder dunkelblau schimmernden Fliegen, aber auch Fliegen, die besonders dadurch auffallen, dass  sie im Vergleich zu harmlosen Stubenfliegen laut brummen, sie ihr Ziel sehr penetrant verfolgen und sich trotz großer Bemühungen nicht vertreiben lassen.

Entzündete Haut, an der Kot oder Urin haftet, zieht Schmeißfliegen daher besonders an. Auch eitrige Wunden an anderen Körperstellen sind für diese Fliegen interessant, um dort ihren Nachwuchs abzulegen. 

Betroffen sind Tiere, die krank, evtl. alt oder auch übergewichtig sind und sich nicht mehr richtig sauber halten können. Aber auch Tiere, die augenscheinlich zunächst gesund erscheinen, können sich plötzlich einnässen oder unter Durchfall leiden. In so einem Fall ist es häufig gar nicht so schnell möglich, die Tiere vor Maden zu schützen. Daher sollten offensichtlich erkrankte Tiere möglichst nicht mehr in Außenhaltung gehalten werden oder nur zeitweise unter Aufsicht.

Tiere, die sich im Außenbereich aufhalten, müssen besonders in der warmen Jahreszeit, beginnend etwa ab Frühjahr bis in den Herbst hinein, alle 4 Stunden (das gilt ganz besonders für vorbelastete kranke Tiere!), in Innenhaltung je nach Standort mindestens 1 bis 3mal täglich auf Madenbefall kontrolliert werden. Sind keine Maden zu sehen, sollte man auch auf Fliegeneier achten. Fliegeneier erkennt man an kleinen weiß-gelblichen Klumpen, sogenannten Eipäckchen, die die Fliegen auf dem Fell abgelegt haben.

Aus den Eiern schlüpfen innerhalb von wenigen Stunden hunderte von Maden und fressen sich in das Innere des Tieres, wenn sie nicht entfernt werden.
Ein Madenbefall beim Heimtier ist ein dringender Notfall und erfordert schnellstes Eingreifen! Bitte sofort alle Maden entfernen und einen kaninchen- und nagerkundigen Tierarzt aufsuchen!

Tierärzte, die mit Kaninchen und Nagern gut vertraut sind, behandeln Madenbefall u.A. mit Capstar. Wenn die Organe nicht in Mitleidenschaft gezogen wurden, kann das Tier mit diesem Mittel gerettet werden.
Capstar ist ein Mittel gegen Flöhe bei Hunden und bewirkt beim Madenbefall bei Kaninchen und Nager, dass diese wieder herauskriechen.

Es empfiehlt sich auch schon vor einem Befall einen kaninchen-, bzw. nagererfahrenen Tierarzt auf das Mittel anzusprechen, der evtl. bereit ist, eine Tablette Capstar für den Notfall mitzugeben, die man bei einem Befall nach Anleitung des Tierarztes im Notfall zuhause anwenden kann.

Leider passiert es nicht selten, dass der Fliegenmadenbefall spät abends oder am Wochenende entdeckt wird. Erfahrungsgemäß findet sich zu diesen Zeiten kein erfahrener Tierarzt, so dass es leider vorkommt, dass Tiere sofort eingeschläfert werden, weil nicht alle Tierärzte den Einsatz von Capstar kennen, mit dem das Tier evtl. noch gerettet werden kann.

Die Dosierung von Capstar kann beim Tierarzt erfragt werden oder der unten genannten Literatur der Tierärztinnen Anja Ewringmann/Barbara Glöckner entnommen werden. Bitte lassen Sie jedoch in jedem Fall einen Tierarzt nachschauen, ob sich noch Fliegenmaden im Gewebe befinden! Es darf keine Made im Gewebe oder im Fell zurückbleiben!

Bei einem Fliegenmadenbefall sollte niemals bis zum nächsten Tag mit der Behandlung gewartet werden! Je schneller dem Tier geholfen wird, desto höher sind die Heilungschancen!

Wenn alle Maden entfernt wurden, können die Wunden mit Calendula Urtinktur (in der Apotheke erhältlich) in folgender Verdünnung gereinigt werden:
1 Tropfen Urtinktur auf 10 ml Kochsalzlösung 0,9%, oder alternativ Leitungswasser (kein Mineralwasser!).
Eine homöopathische Nachbehandlung ist gemäß den Regeln der klassischen Homöopathie möglich.

Literatur:
1. Anja Ewringmann, Leitsymptome beim Kaninchen
2. Anja Ewringmann, Barbara Glöckner, Leitsymptome beim Meerschweinchen, Chinchilla und Degu
3. Anja Ewringmann, Barbara Glöckner, Leitsymptome bei Hamster, Ratte, Maus und Rennmaus

Bildnachweise:
Beitragsbild:
Rosa-Maria Rinkl, Goldfliege auf Schafgarbe, Bildausschnitt von M. Einy, CC BY-SA 4.0
Bilder im Beitrag:
Mit freundlicher Genehmigung von Pixabay

 

Bilder der am häufigsten vorkommenden Schmeißfliegen: