Kaninchen mit extremem Übergewicht

Patient:

Kaninchen, 3 Jahre, männlich kastriert, lebt mit seiner Partnerin zusammen, hat keine besonders auffälligen Krankheitssymptome, hin und wieder leidet es akut unter Appetitlosigkeit, Kolikschmerzen im Magen-Darmbereich. Auffällig ist sein extremes Übergewicht mit mittlerweile 3,8 kg (Normalgewicht ca. 2,6 kg).

 

Anamnese & Behandlung:

Mehrmalige Diagnostik mit Röntgen und Blutuntersuchung. Blutbefund ergab keine Auffälligkeiten, im Röntgen wurde von zwei Tierärzten unabhängig voneinander ein Schatten unterhalb der Lunge erkannt, jedoch könnte man dies nach Meinung der beiden Tierärzte vernachlässigen.

Das Kaninchen litt jedoch immer wieder an Magen- und Darm-Koliken, zog sich zurück und saß in solchen Momenten regungslos in einer Ecke, der Kreislauf schwächelte, es verweigerte das Futter. Eine homöopathische Arznei fing es immer wieder in einem solchen Akutzustand auf.

Jedoch war auffällig, dass er immer mehr an Gewicht zunahm, obwohl er keine übermäßigen Futtermengen zu sich nahm und er bewegte sich immer weniger.
Nach einiger Zeit fiel beim Abtasten der Wirbelsäule auf, dass er im Bereich der Lendenwirbelsäule eine Reaktion zeigte, was auf eine unbestimmte Problematik in der Wirbelsäule hinweisen könnte.  Auch fiel auf, dass er mit den Vorderpfoten öfter auf der Stelle trat und sich oft aufrecht setzte, als würde er „Männchen“ machen, aber seine Hinterläufe dabei nicht aufstellen konnte, was die Vermutung zuließ, dass er entweder unter seinem Gewicht litt oder er die Wirbelsäule beim Aufrechtsitzen entlasten wollte. Für am Wahrscheinlichsten hielt ich Letzteres.
Gemüt: Mag gestreichelt zu werden, sucht viel Kontakt zur Partnerin, jedoch teilt die Partnerin diesen Wunsch nicht so intensiv.

Weitere Untersuchungen wollte die Halterin dem Tier ersparen, da er zum Einen auch sehr ängstlich ist und fraglich war, ob diesmal etwas gefunden werden würde.

Schließlich beginnen wir mit einem passenden Mittel, das all diese Symptome abdeckt. Das Kaninchen bekommt seit Anfang April 2019 das Mittel in aufsteigender Q-Potenz.

Seit dem hat er etwa 200g abgenommen und ist wieder sehr bewegungsfreudig, springt auf seinen Lieblingsplatz auf das Sofa und hatte seitdem keine Magen- und Darmprobleme mehr.

Vor einigen Tagen setzte die bei einer Q-Potenz übliche Spätverschlimmerung ein, so dass wir nun die nächste Potenzstufe geben. Eine Spätverschlimmerung ist keine Verschlimmerung im eigentlichen Sinn, sondern zeigt lediglich einen Potenz- oder Mittelwechsel oder auch das Ende der Behandlung an.

 

Bewertung:

Es liegt bei diesem Fall die Vermutung nahe, dass das Kaninchen unter Anderem an Rückenschmerzen litt und sich deshalb nicht viel bewegte. Jedoch kann man nicht alleine aufgrund von Rückenschmerzen schließen, dass ein Tier deshalb immer mehr an Gewicht zunimmt. Viel wahrscheinlicher ist eine Kombination aus Rückenschmerzen und einer Verwertungsstörung von Nahrungsbestandteilen (Malabsorption), die zu einem Stoffwechselproblem führten, was sich in den immer wieder kehrenden Verdauungsproblemen zeigte.
Zwar nimmt man zur Behandlung in der Homöopathie nur die relevanten Symptome, die zu einer bestimmten Mittelauswahl führen. Aber da wir in der Homöopathie nicht nur die ausgewählten oder sichtbaren Symptome behandeln, sondern die Lebenskraft mit all ihren Funktionen, kommt es nicht selten vor, dass auch nicht bekannte Störungen reguliert werden.

 

Anmerkung: Die Akutmittel, die dem Kaninchen bei den Magen- & Darmkoliken halfen, waren fast immer unterschiedlich, halfen ihm jedoch meist sehr schnell, das Schlimmste zu überstehen.

Das chronische Mittel entspricht keinem der gewählten Akutmittel.

RHD (Chinaseuche) – ein Fall für die Homöopathie?

Ich möchte mit diesem Beitrag von meinen Erfahrungen mit RHDV2 berichten, einer sich in ganz Europa epidemisch ausbreitenden Kaninchenseuche, die seit 2010 in Frankreich und seit 2016 in Deutschland hochgradig aggressiv, schnell und vor Allem tödlich verläuft.

Zunächst einige allgemeine Infos:

Rabbit Haemorrhagic Disease (RHD oder umgangssprachlich Chinaseuche) ist eine Virusinfektion, die so ansteckend ist, dass ein einfacher Kontakt von kontaminiertem Futter oder Streicheln des Tieres ausreicht, um das Kaninchen zu infizieren. Als Hauptüberträger gelten zunächst Stechinsekten wie Mücken, Zecken, Flöhe, aber auch Fliegen, die Kontakt zu infizierten Tieren hatten. Ist ein Tier der Gruppe infiziert, steckt es alle anderen Kaninchen in der Gruppe an bzw. kann der Mensch durch Anfassen der infizierten Tiere auch Kaninchen in anderen Gruppen anstecken. Das Virus ist nur mit speziellen Desinfekionsmitteln zerstörbar, ansonsten kann es monatelang in der Umgebung und im Futter verbleiben. Versuche, das Virus zwei Tage lang bei 80°C zu zerstören, scheiterten. Bei 25°C soll es 3 Monate in der Umgebung verbleiben, bei 4°C sogar 7,5 Monate.

Die Inkubationszeit bei einem infizierten Tier beträgt ca. 24 bis 72 Stunden, die Krankheit verläuft nahezu symptomlos. In vielen Fällen ist hohes Fieber das einzige Symptom, jedoch ist das Erkennen von Fieber beim Kaninchen wegen der geringen Spanne zwischen Normaltemperatur und Fieber nicht immer sofort erkennbar und RHD bringt es leider mit sich, dass die Zeitspanne des Fiebers oft nur kurz ist, sodass es meist nicht auffällt.
Die meisten Kaninchen versterben leider ohne dass sie irgendwelche Krankheitssymptome zeigen und hoppelten eben noch scheinbar gut gelaunt herum und sind einige Minuten später tot.

Man kann aufgrund dieser Umstände nur zu einer Schutzimpfung raten, die die meisten Kaninchen vor der Mortalität schützt.

Nun stößt man jedoch immer wieder auch auf Kaninchenhalter, die von ihrem Tierarzt falsch beraten wurden und z.B. die falsche Imfpfung erhalten haben oder auf Tiere, bei denen die Impfung aus unbekannten (gesundheitlichen oder anderen?) Gründen keinen oder keinen vollständigen Impfschutz aufbaut. Viele Kaninchenhalter wissen gar nichts von der Seuche und einer möglichen Impfung.

RHD aus homöopathischer Sicht

Als ausgebildete Tierhomöopathin weiß ich, dass auch epidemisiche Krankheiten homöopathisch behandelbar sind. Der Begründer der Homöopathie Samuel Hahnemann und seine Nachfolger haben es bereits vorgemacht und Epidemien wie Scharlach, Fleckfieber, Cholera, Pocken, Influenza, etc. erfolgreich homöopathisch behandelt.

In der Homöopathie kennt man keine Erreger wie z.B. Viren. Man behandelt lediglich die Symptome, die sich durch eine Erkrankung zeigen. Hier gilt es, z.B. ein von Grund auf eher gemütliches Tier von einem apathischen Zustand im Krankheitsfall zu unterscheiden. Das Mittel, das gegen die Krankheit hilft, ist von seinem Symptomenbild ähnlich zur Krankheit und Allgemeinzustand des erkrankten Tieres.

Bei einem epidemisichen Krankheitsverlauf haben wir eine veränderte Situation zur „normalen“ akuten oder chronischen Behandlung. Normalerweise wird vor jeder akuten oder chronischen Behandlung eine homöopathische Anamnese duchgeführt, in der man die Symptome des einzelnen Patienten herausfindet, um im Anschluss das passende Mittel für den individuellen Patienten zu finden.

Bei einer epidemischen Erkrankung fragt man nicht jeden einzelnen Patienten nach seinen Symptomen. In diesem Fall schaut man sich die bekannten Symptome der Krankheit an, die sich bei den meisten Patienten nicht nennenswert voneinander unterscheiden und sucht den Genius epidemicus, also das Mittel, welches die ähnlichsten Symptome der Krankheit im Mittelbild hat.

Jedoch gibt es im Falle von RHDV und RHDV2 einige Schwierigkeiten:

1. Kaninchen zeigen meist keine Symptome, sondern sterben oft für die Halter ganz überraschend.
2. Man findet auch in der Fachliteratur nicht viele Infos zum Verlauf der Erkrankung.
3. Die Zeit zwischen dem oft ersten Symptom Fieber und dem Tod des Tieres reicht von Minuten bis maximal einige Stunden.
4. RHD gilt überall als nicht behandelbar oder heilbar, was ein Grund dafür sein kann, warum so wenig über die Krankheit bekannt wird.
5. Wenn ein RHD-Verdacht aufkommt, sind bereits schon einige Tiere im Kaninchenbestand kurz nacheinander und mit ähnlichen Symptomen gestorben und
6. man kann schließlich nur noch den Partnertieren helfen.

Seit August 2017 erreichen mich über unsere Facebookgruppe und in meiner Praxis immer wieder auch RHD2-Fälle. Für die meisten kommt leider wirklich jede Hilfe zu spät, weil die Symptome so weit fortgeschritten sind, dass die Homöopathie meist nur noch beim sanften Einschlafen helfen kann und wenigstens die Krämpfe meist ausbleiben.

Einige Partnertiere, die bereits Symptome wie Fressunlust, Fieber und Apathie zeigten, ließen sich jedoch recht gut homöopathisch behandeln und überstanden die Infektion ohne Probleme.
Leider sind es noch zu wenige Tiere, die ich während einer RHD-Infektion behandeln konnte, so dass die Anzahl der Tiere noch nicht als repräsentativ gesehen werden kann. Jedoch starb kein einziges der bisher 7 Kaninchen, die rechtzeitig das für RHD angezeigte epidemische Mittel in der für das Tier notwendigen Potenz und Dosierung erhielten. Fast alle Variationen waren darunter: Halbjährlich (Filavac) geimpfte Tiere, ein akut Notgeimpftes und ein Tier, bei dem die Impfung aufgrund verschiedener Faktoren nicht richtig aufgebaut wurde. Bei allen Tieren war nachweislich RHD2 im Bestand und alle Tiere zeigten die selben Symptome von Fieber, Apathie und Fressunlust. Alle 7 Tiere überlebten.

Trotz der Möglichkeit einer homöopathischen Behandlung möchte ich noch ein Wort zu den Impfungen gegen die tödlichen Kaninchenseuchen loswerden:

Man darf natürlich keinen 100%igen Schutz erwarten und natürlich können Impfungen auch Nebenwirkungen und Folgen haben. Jedoch muss man auch etwas die Problematik einer Tierart mit einbeziehen und wegen der besonderen Problematik die Kaninchenimpfungen aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Aufgrund der oben genannten 6 Punkte gibt es nun einmal mehrere Schwierigkeiten bei der Erkennung von RHD. Die Impfung hat tatsächlich eine hohe Schutzwirkung und auch wenn sich die Krankheit homöopathisch behandeln lässt, muss sie erst einmal erkannt werden und das ist meist dann erst der Fall, wenn bereits ein bis mehrere Tiere in einem Bestand verstorben sind, eben vor Allem wegen des fast symptomlosen Verlaufs der Krankheit.
Und zu guter Letzt: Im Falle eines Falles lassen sich auch Nebenwirkungen und Impffolgen homöopathisch behandeln.

 


22. November 2018
Update:

In letzter Zeit erreichten mich einige Anfragen von interessierten Kaninchenhaltern auf Grund dieses Blog-Beitrages. Einige Leser fragten nach dem homöopathischen Mittel, welches bei RHD hilft, Andere wollten wissen, was man im Falle eines erneuten RHD-Ausbruchs tun könnte.

Warum ich das Mittel in diesem Beitrag nicht nenne, hat einen einfachen, aber wichtigen Grund. Zunächst möchte ich dazu auf meinen Blog-Artikel vom 17. September 2017 „Homöopathie – hat sie Nebenwirkungen?“ verweisen.

Bei einer homöopathischen Behandlung ist also nicht nur das richtige Mittel wichtig, sondern auch die passende Potenz und auch die passende Dosierung. All dieses kann der (Tier)Homöopath für den jeweiligen Patienten nur über eine Verlaufskontrolle herausfinden, da jeder Patient individuell auf die Mittelgaben reagiert. Für einen homöopathischen Laien ist es nahezu unmöglich, die Reaktion auf eine Mittelgabe richtig einzuordnen und aufgrund einer Reaktion zu entscheiden, ob das Mittel wiederholt werden muss oder besser nicht. Zu wenige Wiederholungen können genauso wie zu viele Wiederholungen ein Hindernis darstellen. In chronischen Behandlungen, in denen mehr Zeit für eine Behandlung zur Verfügung steht, ist eine fehlerhafte Dosierung normalerweise gut zu korrigieren, jedoch spielt der fehlende Zeitfaktor auch bei der richtigen Dosierung im Falle eines RHD-Ausbruchs eine wichtige Rolle.

Es würde unerfahrenen Homöopathieanwendern gar nichts bringen, hier eine Art Anleitung zur Selbstbehandlung zu hinterlassen, weil mindestens eine gewisse Erfahrung und Übung im Erkennen von Reaktionen auf Mittelgaben und mögliche Wiederholungen der Mittelgaben notwendig sind. Interessierte und betroffene Halter können sich bei Bedarf jedoch gerne an mich wenden.

Dennoch möchte ich noch einmal darauf hinweisen, dass eine mögliche homöopathische Behandlung eines RHD-Ausbruchs kein Ersatz für die Impfung ist. Ich empfehle nach wie vor, gesunde Tiere in Absprache mit dem Tierarzt gegen RHD1 und RHD2 impfen zu lassen, um vor der hohen Wahrscheinlichkeit der Mortalität bei einem RHD-Ausbruch geschützt zu sein. Wie beschrieben, kann man aufgrund kaum erkennbarer oder gar fehlender Krankheitszeichen, von einer RHD-Infektion leider erst ausgehen, wenn bereits mindestens ein Kaninchen im Bestand verstorben ist, jedoch versterben meist eher mehrere Tiere, bevor dem Halter bewusst wird, dass es sich um RHD handeln könnte. Eine Impfung kann im besten Fall den Tod aller Kaninchen in der Gruppe verhindern.

Die homöopathische Behandlung von RHD ist lediglich eine zusätzliche Möglichkeit, die man versuchen kann, um den übriggebliebenen Tieren in einer Gruppe vielleicht noch zu helfen, wenn sie aus welchen Gründen auch immer mit RHD infiziert wurden.

 

 

 

 

Bildquelle (Beitragsbild):
Tina Noller, Pusteblumen mit Stechmücke, Bildausschnitt von M. Einy, CC BY-SA 4.0
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Pusteblumen_mit_Stechm%C3%BCcke.jpg

 

 

Kastration aus Sicht der Tierhomöopathie

„§4 Er ist zugleich ein Gesundheit-Erhalter, wenn er die Gesundheit störenden und Krankheit erzeugenden und unterhaltenden Dinge kennt und sie von den gesunden Menschen zu entfernen weiß.“
(Dr. med. Samuel Hahnemann, Orgnon 6 der Heilkunst)

„Er“ steht hier für den homöopathischen Arzt (heute würde man Homöopath sagen) und „entfernen“ steht hier nicht dafür, ein gesundes Organ zu entfernen, sondern möglichst alles von einem Menschen oder in diesem Fall von einem Tier wie dem Kaninchen fernzuhalten, was Krankheit bringen könnte und die Gesundheit zu erhalten, indem man den gesunden Organismus nicht unnötig verändert, sondern seine natürlichen Funktionen mit gesunder Lebensweise unterstützt.

Aus homöopathischer Sicht ist eine Kastration ein Eingriff in ein funktionierendes System. Die Entfernung der weiblichen (Eierstöcke und Gebärmutter) und männlichen Fortpflanzungsorgane (Hoden) bedeutet nicht nur, dass eine Fortpflanzung nicht mehr möglich ist. Diese Drüsen produzieren die Sexualhormone Östrogen (weibliches Sexualhormon) und Testosteron (männliches Sexualhormon), die maßgeblich am Knochenstoffwechsel beteiligt sind. Sie interagieren zusammen mit der Nebenschilddrüse, die das Parathormon und Cholecalciferol (wird mit Hilfe von Sonnenlicht gebildet) bilden. Die Sexualhormone und die Hormone der Nebenschliddrüsen sorgen für die Knochenentwicklung und ihre Stabilität, auch in fortgeschrittenem Alter. Knochensubstanz und Gewebe sind in ständigem Wandel  und verändern ständig ihre Struktur.
Ein Mangel der Geschlechtshormone und damit die Neigung zu brüchigeren Knochen kann man in fortgeschrittenem Alter bei Frauen beobachten, die in die Wechseljahre kommen.
Das Fehlen eines einzigen Hormons bedeutet eine Störung, der Organismus ist nicht mehr im Einklang mit sich selbst. Aus Sicht der Homöopathie ist dieser Zustand mit einer  Krankheit gleichzusetzen.

Die ideale Situation wäre nun nach dieser Definition, kein Tier kastrieren zu müssen. Bei der Haustierhaltung ist die Frage leider nicht ganz so einfach zu beantworten. Als Kaninchenhalter möchte man das Beste für seine Kaninchen und möchte gerne eine Pärchen- oder Gruppenhaltung, die auch dringend nötig ist, denn Kaninchen sind nunmal Gruppentiere. Aus diesem Grund ist man in den letzten Jahren dazu übergegangen Rammler zu kastrieren, um eine ungewollte Kaninchenbabyproduktion zu verhindern.

Nun kommt zum Einen immer mehr in Mode, Kaninchenweibchen prophylaktisch zu kastrieren. Viele Tierärzte stehen auf dem Standpunkt, dass man so einer häufigen Krebsentwicklung in den weiblichen Geschlechtsorganen entgehen kann. Dass dieses nicht in dem selben Umfang passiert, welchen die meisten TÄ vertreten und zudem auch andere Folgen für die weitere Gesundheit der Häsinnen haben kann, wird dabei nicht beachtet. Eine folgenschwere Beeinträchtigung kann sich auch erst nach Jahren im Gebiss des kastrierten Tieres zeigen. Kaninchenzähne befinden sich in ständigem Wachstum, das ist von der Natur so vorgesehen, weil Kaninchenzähne durch Kauen und Nagen abgenutzt werden. Gerade bei diesen Tieren ist ein stabiler Kieferknochen wichtig. Wird durch das Fehlen eines Hormons. das wichtig für den Knochenstoffwechsel ist der Kieferknochen instabil, schieben sich die Zähne immer weiter in den weichen Kieferknochen hinein und begünstigt die Abszessbildung. (vgl. „Das retrograde Zahnwachstum“, A. Rühle 2017)

Bei den Rammlern gehen manche Tierschützer einen anderen fragwürdigen Weg und bewerben eine Frühkastration bereits mit 8 Wochen. Rammler sind frühestens mit 12 Wochen in einem zeugungsfähigen Alter, d.h. sie treten zu diesem Zeitpunkt in die Pubertät ein. Jedoch haben die Jungrammler am Anfang ihrer Pubertät oft noch nicht wirklich Interesse an der Fortpflanzung. Ausnahmen gibt es natürlich immer und um das zu beurteilen, ist sicher etwas mehr Erfahrung mit Kaninchen nötig. Das bedeutet, dass sie bis zu einem Alter von etwa 12 bis 16 Wochen, also mit dem Eintritt in die Pubertät, noch in einem Entwicklungsstand eines Kaninchenbabys sind. Werden Kaninchen im Baby-/Kindesalter kastriert, bleiben sie ein Leben lang in der Entwicklung eines Babys oder Kindes, sowohl physisch als auch psychisch. Das Wachstum wird in der Hypophyse gesteuert, in der auch das Hormonsystem kontrolliert wird. Das bedeutet, dass die Kaninchenkinder zwar wachsen, auch wenn ihnen ein wichtiges Hormon fehlt, jedoch fehlt es den Knochen von Anfang an an Festigkeit.
Der einzige Vorteil, der im Tierschutz angegeben wird, warum eine Frühkastration als vorteilhaft empfunden wird, ist, damit die Jungrammler nicht von der Familie getrennt werden müssen, um eine weitere Fortpflanzung zu verhindern. Würde man während oder nach der Geschlechtsreife die Jungrammler kastrieren, wird zu einer 4 bis 6wöchigen Trennung von fortpflanzungsfähigen Weibchen geraten. Für kastrierte Weibchen bedeutet ein potenter Rammler häufig Stress, jedoch würde ich das nicht als feststehende Regel sehen. Es kommt nicht zuletzt wie bei Allem auf das einzelne Tier und sein Verhalten an. Mehrheitlich hatte ich sehr unruhige potente Rammler, die ich kastrieren ließ. Ob wirklich eine sechswöchige Kastrationsfrist eingehalten werden muss, in denen die Tiere meist einzeln gehalten werden, konnte ich bisher nicht herausfinden, aus meiner Beobachtung heraus wurden die Kastraten schon nach 2,5 Wochen ruhiger und nach 3,5 Wochen war das Interesse an der Fortpflanzung nicht mehr vorhanden. Einige Tierärzte geben daher eine Frist von 4 Wochen als ausreichend an.

Setzen wir doch mal die Problematik bei Kaninchen in Relation:

Rammler sollten kastriert werden, damit kein unerwünschter Nachwuchs entsteht, sollten jedoch auch die Chance bekommen, sich ein wenig körperlich und geistig entwickeln zu können. Das schließt eine Frühkastration bis zur 12. Woche auf jeden Fall aus, ideal wäre natürlich, man gibt ihnen noch etwas mehr Zeit für die Entwicklung. Kleine Rassen sind im Alter von 9 bis 12 Monaten ausgewachsen, große Rassen etwa im Alter von 15 bis 18 Monaten. Eine Kastration in der 12.Woche sollte für Jungrammler der früheste Zeitpunkt sein, so gibt man ihnen wenigstens die Gelegenheit, sich aus dem Kindesalter heraus zu entwickeln. Mir sind auch einige Fälle von Jungrammlern (Zwergkaninchen) bekannt, die erst im Alter von 15 bis 16 Wochen kastriert wurden, bis dahin in einem abgegrenzten Gebiet nur mit der Familie zusammen blieben und auch da gab es keine Fortpflanzung unter Familienmitgliedern. Ob das Zufall war oder eine Frage der Haltungsbedingungen lässt sich mit wenigen Fällen nicht beantworten, ich finde sie jedoch zumindest erwähnenswert.
Jedoch ist es auch für ein Kaninchenpärchen weniger belastend, wenn sie einmal 4 bis 6 Wochen neben ihrem zukünftigen Kaninchenpartner verbringen müssen, als in die Entwicklung eines Jungrammlers derart einzugreifen.

Homöopathie – hat sie Nebenwirkungen?

Wenn die Homöopathie, auch bekannt als „klassische Homöopathie“ von einem gut ausgebildeten Homöopathen, bzw. Tierhomöopathen ausgeübt wird, weiß der Fachmann bzw. die Fachfrau auf was während einer Behandlung zu achten ist. Eine solche Ausbildung umfasst eine mehrjährige spezielle Homöopathie-Ausbildung, die in dieser Form oft nicht Teil einer (Tier-)Heilpraktiker Ausbildung oder eines Tiermedizinstudiums ist.

Anders sieht es aus, wenn „homöopathische Tipps“, „Schüsslersalze“, etc. in Internetforen und unter den Haltern ausgetauscht werden, weil ein Mittel einmal seinem Tier geholfen hat.

Leider ist es oft so, dass Tierhalter ihren Tieren homöopathische Mittel verabreichen, meistens in Form von Globuli als Einzelmittel oder in flüssiger Form als Komplexmittel, die ihnen im Internet oder im Bekanntenkreis empfohlen wurden, diese werden als Dauermedikation verabreicht und „trotzdem“ scheint es den Tieren immer schlechter zu gehen. Wenn es dem Patienten mit dem homöopathischen (bzw. potenzierten) Mittel immer schlechter geht, ist zu überprüfen, ob das Mittel überhaupt jemals das Richtige war oder inzwischen zu einer Art Überdosierung gekommen ist, die wir (Tier-)Homöopathen Arzneimittelprüfung nennen. Dieses zu beurteilen ist für den homöopathischen Laien normalerweise kaum möglich.

Auch Tierärzte, die keine klassisch homöopathische Ausbildung haben, verschreiben hin und wieder ihren tierischen Patienten „ein paar Globuli“, weil „es nicht schaden kann“. Das ist leider nicht ganz richtig.

Homöopathisch nicht ausgebildete Tierärzte können in ihrem Bereich gute Tierärzte sein, dennoch haben sie ein anderes Verständnis für Krankheiten.
Eine Krankheit im Sinne der Schulmedizin wird mit einem Medikament bekämpft und mit diesem Verständnis werden dann leider auch homöopathische Mittel verabreicht. Homöopathen behandeln zwar auch Krankheiten, jedoch wird dasjenige homöopathische Mittel verabreicht, das in seinem Arzneimittelbild den Symptomen des Patienten am ähnlichsten ist, um dem Organismus eine wegweisende Information zu geben, was dieser tun muss, um sich besser zu fühlen oder geheilt zu werden. Eine erfolgreiche homöopathische Behandlung hängt jedoch nicht nur von der Auswahl eines Mittels ab, sondern vor Allem von der Verlaufskontrolle der homöopathischen Behandlung. Nicht selten wird im Verlauf festgestellt, dass die Dosierung, die Potenz oder auch das Mittel gewechselt werden muss. Nicht immer hat man mit nur einem homöopathischen Arzneimittel den endgültigen Erfolg.

Wenn also jemand, der die Homöopathie nicht gelernt hat, ein Mittel verschreibt, das einen Zustand bekämpfen soll, kann es sogar sein, dass man Glück hat und man erwischt zufällig ein passendes Mittel, das dem Tier erstmal hilft. Allerdings sollte das nicht dazu verleiten, das einst hilfreiche Mittel immer weiter zu geben, weil es so gut geholfen hat. Ist der Punkt erreicht, indem das Mittel seine Arbeit verrichtet hat, kann sich die Krankheit wieder verschlechtern, es kann aber auch eine scheinbare Verschlechterung sein. Eine solche Symptomatik kann jedoch nur der Homöopath anhand der Verlaufskontrolle beurteilen. Aber auch Mittel, die nicht passen, können sowohl zu einer kurzfristigen Verbesserung, als auch zu einer langfristigen Verschlechterung des Zustandes führen. Auch wenn ein Mittel hilft, kann der Tierhalter nicht unterscheiden, ob die Krankheit unterdrückt (in andere Bereiche verschoben) wurde oder es sich tatsächlich um Heilungsprozesse handelt.

Deshalb geht jeder homöopathischen Behandlung eine ausführliche Symptomsuche (homöopathische Erstanamnese) voraus, danach sucht der Tierhomöopath in kleinster Detektivarbeit mit Hilfe von Repertorien und Materia Medicae ein Mittel für den Patienten heraus, das seinem Organismus hilft, wieder ins Lot zu kommen.
Wird nun das homöopathische Mittel bedenkenlos gegen ein Leiden eingesetzt, kann das Tier in einen Verschlimmerungszustand kommen, den man in der Homöopathie Arzneimittelprüfung nennt. Der Laie ist meist nicht in der Lage eine Arzneimittelprüfung von einem neuen Leiden zu unterscheiden und gibt fälschlicherweise vielleicht das nächste Mittel bzw. das Tier erhält weitere Medikamente, obwohl es sich evtl. nach Absetzen des Mittels von selbst wieder gegeben hätte.
Das gilt übrigens ebenso für alle Komplexmittel, die meist sehr viele potenzierte (bekannt als „homöopathische“) Mittel enthalten.

Wie lange und wie oft man ein Mittel gibt, dafür gibt es keine Regel. Das ist abhängig von der Krankheit, der Lebenskraft des Tieres, von der Potenz des Mittels und dem Mittel selbst, von der Häufigkeit der Gaben, etc.
Ein klassisch arbeitender Tierhomöopath oder Homöopath kann dieses über die  o.g. regelmäßige Verlaufskontrolle einschätzen und muss immer wieder neu beurteilen, ob die Dosierung, die Potenz oder das Mittel noch stimmig ist.

Ein Mittel, das der Tierhomöopath für ein bestimmtes Tier ausgesucht hat, sollte auch nicht an mehreren Tieren ausprobiert oder an Bekannte wegen guter Erfahrungen weitergegeben werden.

Eine Anmerkung, die ich auch noch für wichtig halte: Häufig wird unter dem Begriff „Homöopathie“ alles verstanden, was Tierheilpraktiker und Heilpraktiker so machen. „Hauptsache pflanzlich“, heißt es dann. Die Homöopathie ist jedoch eine eigenständige Behandlungsmethode mit klar festgelegten Regeln, die spezielles Wissen erfordert, und eine lebenslange Beschäftigung mit dieser Methode. Jeder Patient ist anders, auch wenn viele Patienten die gleiche Krankheit haben, so ist das Mittel dennoch oft ein Anderes, das für diesen einen Patienten mit seinen ganz eigenen Symptomen ausgesucht wird.

Um also die Eingangsfrage zu beantworten: Die Homöopathie hat keine Nebenwirkungen und ist eine sehr sanfte Behandlungsmethode, jedoch sollte dies  jemand übernehmen, der sich damit auskennt.

Homöopathische Behandlung einer Darmlähmung, Verstopfung und Harnverhalt

Dienstag, 21.30 Uhr
Aufnahme einer Akutanamnese eines Kaninchens das so gut wie keinen Kot- und Harnsabsatz hatte. Verdacht auf Darmlähmung, Verstopfung. Hinweis: Eine solche Situation ist bei Kaninchen lebensgefährlich!
Die Halterin möchte es diesmal mit Homöopathie versuchen, weil sie durch solche Situationen schon Tiere verloren hat, die sie in der Tierklinik hat behandeln lassen.
 
Symptome des Kaninchens:
Das Kaninchen wirkt apathisch, sitzt regungslos in einer Ecke, verweigert das Futter, Kreislauf kritisch, Untertemperatur, Ohren kalt. Mittags bekam es von der Halterin eine Gabe eines Mittels, worauf eine Stunde später wenig Kotabsatz erfolgte. Ansonsten hatte es seit 30 Std. keinen Kotabsatz und keinen Harnabsatz. Wir bleiben vorerst bei der Wiederholung des Mittels vom Mittag:
 
1. Arzneimittel (mehrmals verkleppert) bis 23.00 Uhr leichte Besserung, jedoch läuft nun massig Speichel aus dem Mäulchen und das eingegebene Kräuteröl vom Abend fließt mit heraus. Hinweis auf Magenüberladung, hartnäckige Obstipation, Darmlähme, möglicherweise Darmverschluss durch Fremdkörper. Wir wechseln das Mittel.
 
2. Arzneimittel (erst nur einmal)
23.30 Uhr Häsin wird etwas stabiler, setzt sich ins Klo und presst.
Das 2.Mittel wird verkleppert weitergegeben
 
00.45 Uhr Die Häsin speichelt nicht mehr so schlimm, putzt sich ein bisschen, hat ein wenig Harn abgesetzt und ein wenig gefuttert.
 
02.00 Uhr Die Häsin sucht jetzt die Wärme, nimmt die Wärmequelle gerne an, ihr Kreislauf ist stabiler (Ohren sind wieder wärmer), sie hat immer wieder etwas gefuttert. Wir verlängern die Gaben.
 
04.00 Uhr Kreislauf weiter stabil, hat immer wieder ein bisschen gefuttert, ein Kotklumpen löste sich, sie sucht weiter die Wärme.
 
Mittwoch
Arzneimittel sporadisch weitergegeben. Die Häsin hat inzwischen mehr Appetit, Kreislauf weiter stabil. Jedoch zieht sie sich hin und wieder zurück, wirkt schläfrig und benommen, noch immer zu geringer Kotabsatz.
 
Donnerstag
Mittelgabe seltener.
Häsin wirkt mittags munter, geht inzwischen mit ihrem Partner an die Futterstelle. Bauch ist weicher.
20.00 Uhr Sie wirkt wieder schläfriger, Mittelgabe noch ein paarmal in kurzen Abständen gegeben. Danach wird der Bauch wieder härter (Hinweis auf evtl. Arzneimittelprüfung!), Arzneimittel wird testweise bis zum nächsten Tag abgesetzt.
 
Freitag
11 Uhr Die Häsin futtert wieder normal, hat wieder normalen Kot- und Harnabsatz. Arzneimittel wird nicht weitergegeben.

Entwicklungsstörung bei einem Kaninchenbaby

Kaninchenbaby Emil

Ich beginne einmal mit Emil, dem Kaninchenbaby. Selten bekommt man einen so gut mit Bildern dokumentierten Fall.

Emil und seine Geschwister wurden am 03.07.2015 geboren.

Seine Geschwister entwickelten sich normal, nur Emil blieb zurück, nahm nicht richtig zu, hatte Schwierigkeiten zu schlucken und sein Fell war schlecht ausgebildet und wollte an verschiedenen Stellen nicht wachsen. Insgesamt sah es nicht gut um ihn aus.

Am 05.08.2015 wurde ich hinzugezogen. Ich verordnete homöopathische Globuli in C30, aufgelöst in einem Glas Wasser. Emil sollte am ersten Tag zweimal von dem Mittel bekommen und am nächsten Tag noch einmal und dann warteten wir ab.

Bild 1: 01.08.2015 Einige Tage vor Beginn der homöopathischen Behandlung. Der kleine Emil (oben rechts), nur halb so groß wie seine Geschwister Elvira (unten rechts) und Nero (links).

Bild 2: 01.08.2015 Emils nackter Bauch vor der Behandlung.

Bild 3: 04.08.2015 Emil 1 Tag vor der Behandlung Hier sieht man besonders deutlich wie schlecht Emils Fell noch aussah.

Bild4: 05.08.2015 Tag 1, kurz nach Verabreichung des Mittels. Im Hintergrund sieht man ein jüngeres Halbgeschwisterchen von Emil.

Bild5: 06.08.2015 1 Tag nach homöopathischer Behandlung. Das Fell ist gewachsen.

Bild 6: 06.08.2016 Emils Fell ist im Vergleich zu Bild 3 lückenlos.

Bild 7: 07.08.2015 Im Vergleich: Emil (rechts) neben seiner Schwester Elvira (links). Tag 2 nach der Verabreichung des Mittels.

Bild 8: 15.08.2015 Tag 10 nach der Verabreichung des Mittels. Emil holt immer mehr auf und entwickelt sich nun prächtig

Bild 9: 17.09.2015 6 Wochen nach der homöopathischen Behandlung: Emil strahlt in neuem Glanz. Sein Fell ist ordentlich und lückenlos gewachsen und er steht seinen Geschwistern in nichts mehr nach.

Bild 10: 17.09.2015 Emil mit seiner Schwester Elvira. Beide haben sich zu stattlichen und gesunden Kaninchen entwickelt, sie unterscheidet nun nichts mehr voneinander und Beide bringen fast gleich viel auf die Waage.

Abschließend möchte ich mich noch bei Emils Halterin für die schönen Bilder bedanken!