RHD (Chinaseuche) – ein Fall für die Homöopathie?

Ich möchte mit diesem Beitrag von meinen Erfahrungen mit RHDV2 berichten, einer sich in ganz Europa epidemisch ausbreitenden Kaninchenseuche, die seit 2010 in Frankreich und seit 2016 in Deutschland hochgradig aggressiv, schnell und vor Allem tödlich verläuft.

Zunächst einige allgemeine Infos:

Rabbit Haemorrhagic Disease (RHD oder umgangssprachlich Chinaseuche) ist eine Virusinfektion, die so ansteckend ist, dass ein einfacher Kontakt von kontaminiertem Futter oder Streicheln des Tieres ausreicht, um das Kaninchen zu infizieren. Als Hauptüberträger gelten zunächst Stechinsekten wie Mücken, Zecken, Flöhe, aber auch Fliegen, die Kontakt zu infizierten Tieren hatten. Ist ein Tier der Gruppe infiziert, steckt es alle anderen Kaninchen in der Gruppe an bzw. kann der Mensch durch Anfassen der infizierten Tiere auch Kaninchen in anderen Gruppen anstecken. Das Virus ist nur mit speziellen Desinfekionsmitteln zerstörbar, ansonsten kann es monatelang in der Umgebung und im Futter verbleiben. Versuche, das Virus zwei Tage lang bei 80°C zu zerstören, scheiterten. Bei 25°C soll es 3 Monate in der Umgebung verbleiben, bei 4°C sogar 7,5 Monate.

Die Inkubationszeit bei einem infizierten Tier beträgt ca. 24 bis 72 Stunden, die Krankheit verläuft nahezu symptomlos. In vielen Fällen ist hohes Fieber das einzige Symptom, jedoch ist das Erkennen von Fieber beim Kaninchen wegen der geringen Spanne zwischen Normaltemperatur und Fieber nicht immer sofort erkennbar und RHD bringt es leider mit sich, dass die Zeitspanne des Fiebers oft nur kurz ist, sodass es meist nicht auffällt.
Die meisten Kaninchen versterben leider ohne dass sie irgendwelche Krankheitssymptome zeigen und hoppelten eben noch scheinbar gut gelaunt herum und sind einige Minuten später tot.

Man kann aufgrund dieser Umstände nur zu einer Schutzimpfung raten, die die meisten Kaninchen vor der Mortalität schützt.

Nun stößt man jedoch immer wieder auch auf Kaninchenhalter, die von ihrem Tierarzt falsch beraten wurden und z.B. die falsche Imfpfung erhalten haben oder auf Tiere, bei denen die Impfung aus unbekannten (gesundheitlichen oder anderen?) Gründen keinen oder keinen vollständigen Impfschutz aufbaut. Viele Kaninchenhalter wissen gar nichts von der Seuche und einer möglichen Impfung.

RHD aus homöopathischer Sicht

Als ausgebildete Tierhomöopathin weiß ich, dass auch epidemisiche Krankheiten homöopathisch behandelbar sind. Der Begründer der Homöopathie Samuel Hahnemann und seine Nachfolger haben es bereits vorgemacht und Epidemien wie Scharlach, Fleckfieber, Cholera, Pocken, Influenza, etc. erfolgreich homöopathisch behandelt.

In der Homöopathie kennt man keine Erreger wie z.B. Viren. Man behandelt lediglich die Symptome, die sich durch eine Erkrankung zeigen. Hier gilt es, z.B. ein von Grund auf eher gemütliches Tier von einem apathischen Zustand im Krankheitsfall zu unterscheiden. Das Mittel, das gegen die Krankheit hilft, ist von seinem Symptomenbild ähnlich zur Krankheit und Allgemeinzustand des erkrankten Tieres.

Bei einem epidemisichen Krankheitsverlauf haben wir eine veränderte Situation zur „normalen“ akuten oder chronischen Behandlung. Normalerweise wird vor jeder akuten oder chronischen Behandlung eine homöopathische Anamnese duchgeführt, in der man die Symptome des einzelnen Patienten herausfindet, um im Anschluss das passende Mittel für den individuellen Patienten zu finden.

Bei einer epidemischen Erkrankung fragt man nicht jeden einzelnen Patienten nach seinen Symptomen. In diesem Fall schaut man sich die bekannten Symptome der Krankheit an, die sich bei den meisten Patienten nicht nennenswert voneinander unterscheiden und sucht den Genius epidemicus, also das Mittel, welches die ähnlichsten Symptome der Krankheit im Mittelbild hat.

Jedoch gibt es im Falle von RHDV und RHDV2 einige Schwierigkeiten:

1. Kaninchen zeigen meist keine Symptome, sondern sterben oft für die Halter ganz überraschend.
2. Man findet auch in der Fachliteratur nicht viele Infos zum Verlauf der Erkrankung.
3. Die Zeit zwischen dem oft ersten Symptom Fieber und dem Tod des Tieres reicht von Minuten bis maximal einige Stunden.
4. RHD gilt überall als nicht behandelbar oder heilbar, was ein Grund dafür sein kann, warum so wenig über die Krankheit bekannt wird.
5. Wenn ein RHD-Verdacht aufkommt, sind bereits schon einige Tiere im Kaninchenbestand kurz nacheinander und mit ähnlichen Symptomen gestorben und
6. man kann schließlich nur noch den Partnertieren helfen.

Seit August 2017 erreichen mich über unsere Facebookgruppe und in meiner Praxis immer wieder auch RHD2-Fälle. Für die meisten kommt leider wirklich jede Hilfe zu spät, weil die Symptome so weit fortgeschritten sind, dass die Homöopathie meist nur noch beim sanften Einschlafen helfen kann und wenigstens die Krämpfe meist ausbleiben.

Einige Partnertiere, die bereits Symptome wie Fressunlust, Fieber und Apathie zeigten, ließen sich jedoch recht gut homöopathisch behandeln und überstanden die Infektion ohne Probleme.
Leider sind es noch zu wenige Tiere, die ich während einer RHD-Infektion behandeln konnte, so dass die Anzahl der Tiere noch nicht als repräsentativ gesehen werden kann. Jedoch starb kein einziges der bisher 7 Kaninchen, die rechtzeitig das für RHD angezeigte epidemische Mittel in der für das Tier notwendigen Potenz und Dosierung erhielten. Fast alle Variationen waren darunter: Halbjährlich (Filavac) geimpfte Tiere, ein akut Notgeimpftes und ein Tier, bei dem die Impfung aufgrund verschiedener Faktoren nicht richtig aufgebaut wurde. Bei allen Tieren war nachweislich RHD2 im Bestand und alle Tiere zeigten die selben Symptome von Fieber, Apathie und Fressunlust. Alle 7 Tiere überlebten.

Trotz der Möglichkeit einer homöopathischen Behandlung möchte ich noch ein Wort zu den Impfungen gegen die tödlichen Kaninchenseuchen loswerden:

Man darf natürlich keinen 100%igen Schutz erwarten und natürlich können Impfungen auch Nebenwirkungen und Folgen haben. Jedoch muss man auch etwas die Problematik einer Tierart mit einbeziehen und wegen der besonderen Problematik die Kaninchenimpfungen aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Aufgrund der oben genannten 6 Punkte gibt es nun einmal mehrere Schwierigkeiten bei der Erkennung von RHD. Die Impfung hat tatsächlich eine hohe Schutzwirkung und auch wenn sich die Krankheit homöopathisch behandeln lässt, muss sie erst einmal erkannt werden und das ist meist dann erst der Fall, wenn bereits ein bis mehrere Tiere in einem Bestand verstorben sind, eben vor Allem wegen des fast symptomlosen Verlaufs der Krankheit.
Und zu guter Letzt: Im Falle eines Falles lassen sich auch Nebenwirkungen und Impffolgen homöopathisch behandeln.

 


22. November 2018
Update:

In letzter Zeit erreichten mich einige Anfragen von interessierten Kaninchenhaltern auf Grund dieses Blog-Beitrages. Einige Leser fragten nach dem homöopathischen Mittel, welches bei RHD hilft, Andere wollten wissen, was man im Falle eines erneuten RHD-Ausbruchs tun könnte.

Warum ich das Mittel in diesem Beitrag nicht nenne, hat einen einfachen, aber wichtigen Grund. Zunächst möchte ich dazu auf meinen Blog-Artikel vom 17. September 2017 „Homöopathie – hat sie Nebenwirkungen?“ verweisen.

Bei einer homöopathischen Behandlung ist also nicht nur das richtige Mittel wichtig, sondern auch die passende Potenz und auch die passende Dosierung. All dieses kann der (Tier)Homöopath für den jeweiligen Patienten nur über eine Verlaufskontrolle herausfinden, da jeder Patient individuell auf die Mittelgaben reagiert. Für einen homöopathischen Laien ist es nahezu unmöglich, die Reaktion auf eine Mittelgabe richtig einzuordnen und aufgrund einer Reaktion zu entscheiden, ob das Mittel wiederholt werden muss oder besser nicht. Zu wenige Wiederholungen können genauso wie zu viele Wiederholungen ein Hindernis darstellen. In chronischen Behandlungen, in denen mehr Zeit für eine Behandlung zur Verfügung steht, ist eine fehlerhafte Dosierung normalerweise gut zu korrigieren, jedoch spielt der fehlende Zeitfaktor auch bei der richtigen Dosierung im Falle eines RHD-Ausbruchs eine wichtige Rolle.

Es würde unerfahrenen Homöopathieanwendern gar nichts bringen, hier eine Art Anleitung zur Selbstbehandlung zu hinterlassen, weil mindestens eine gewisse Erfahrung und Übung im Erkennen von Reaktionen auf Mittelgaben und mögliche Wiederholungen der Mittelgaben notwendig sind. Interessierte und betroffene Halter können sich bei Bedarf jedoch gerne an mich wenden.

Dennoch möchte ich noch einmal darauf hinweisen, dass eine mögliche homöopathische Behandlung eines RHD-Ausbruchs kein Ersatz für die Impfung ist. Ich empfehle nach wie vor, gesunde Tiere in Absprache mit dem Tierarzt gegen RHD1 und RHD2 impfen zu lassen, um vor der hohen Wahrscheinlichkeit der Mortalität bei einem RHD-Ausbruch geschützt zu sein. Wie beschrieben, kann man aufgrund kaum erkennbarer oder gar fehlender Krankheitszeichen, von einer RHD-Infektion leider erst ausgehen, wenn bereits mindestens ein Kaninchen im Bestand verstorben ist, jedoch versterben meist eher mehrere Tiere, bevor dem Halter bewusst wird, dass es sich um RHD handeln könnte. Eine Impfung kann im besten Fall den Tod aller Kaninchen in der Gruppe verhindern.

Die homöopathische Behandlung von RHD ist lediglich eine zusätzliche Möglichkeit, die man versuchen kann, um den übriggebliebenen Tieren in einer Gruppe vielleicht noch zu helfen, wenn sie aus welchen Gründen auch immer mit RHD infiziert wurden.

 

 

 

 

Bildquelle (Beitragsbild):
Tina Noller, Pusteblumen mit Stechmücke, Bildausschnitt von M. Einy, CC BY-SA 4.0
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Pusteblumen_mit_Stechm%C3%BCcke.jpg