Kastration aus Sicht der Tierhomöopathie

„§4 Er ist zugleich ein Gesundheit-Erhalter, wenn er die Gesundheit störenden und Krankheit erzeugenden und unterhaltenden Dinge kennt und sie von den gesunden Menschen zu entfernen weiß.“
(Dr. med. Samuel Hahnemann, Orgnon 6 der Heilkunst)

„Er“ steht hier für den homöopathischen Arzt (heute würde man Homöopath sagen) und „entfernen“ steht hier nicht dafür, ein gesundes Organ zu entfernen, sondern möglichst alles von einem Menschen oder in diesem Fall von einem Tier wie dem Kaninchen fernzuhalten, was Krankheit bringen könnte und die Gesundheit zu erhalten, indem man den gesunden Organismus nicht unnötig verändert, sondern seine natürlichen Funktionen mit gesunder Lebensweise unterstützt.

Aus homöopathischer Sicht ist eine Kastration ein Eingriff in ein funktionierendes System. Die Entfernung der weiblichen (Eierstöcke und Gebärmutter) und männlichen Fortpflanzungsorgane (Hoden) bedeutet nicht nur, dass eine Fortpflanzung nicht mehr möglich ist. Diese Drüsen produzieren die Sexualhormone Östrogen (weibliches Sexualhormon) und Testosteron (männliches Sexualhormon), die maßgeblich am Knochenstoffwechsel beteiligt sind. Sie interagieren zusammen mit der Nebenschilddrüse, die das Parathormon und Cholecalciferol (wird mit Hilfe von Sonnenlicht gebildet) bilden. Die Sexualhormone und die Hormone der Nebenschliddrüsen sorgen für die Knochenentwicklung und ihre Stabilität, auch in fortgeschrittenem Alter. Knochensubstanz und Gewebe sind in ständigem Wandel  und verändern ständig ihre Struktur.
Ein Mangel der Geschlechtshormone und damit die Neigung zu brüchigeren Knochen kann man in fortgeschrittenem Alter bei Frauen beobachten, die in die Wechseljahre kommen.
Das Fehlen eines einzigen Hormons bedeutet eine Störung, der Organismus ist nicht mehr im Einklang mit sich selbst. Aus Sicht der Homöopathie ist dieser Zustand mit einer  Krankheit gleichzusetzen.

Die ideale Situation wäre nun nach dieser Definition, kein Tier kastrieren zu müssen. Bei der Haustierhaltung ist die Frage leider nicht ganz so einfach zu beantworten. Als Kaninchenhalter möchte man das Beste für seine Kaninchen und möchte gerne eine Pärchen- oder Gruppenhaltung, die auch dringend nötig ist, denn Kaninchen sind nunmal Gruppentiere. Aus diesem Grund ist man in den letzten Jahren dazu übergegangen Rammler zu kastrieren, um eine ungewollte Kaninchenbabyproduktion zu verhindern.

Nun kommt zum Einen immer mehr in Mode, Kaninchenweibchen prophylaktisch zu kastrieren. Viele Tierärzte stehen auf dem Standpunkt, dass man so einer häufigen Krebsentwicklung in den weiblichen Geschlechtsorganen entgehen kann. Dass dieses nicht in dem selben Umfang passiert, welchen die meisten TÄ vertreten und zudem auch andere Folgen für die weitere Gesundheit der Häsinnen haben kann, wird dabei nicht beachtet. Eine folgenschwere Beeinträchtigung kann sich auch erst nach Jahren im Gebiss des kastrierten Tieres zeigen. Kaninchenzähne befinden sich in ständigem Wachstum, das ist von der Natur so vorgesehen, weil Kaninchenzähne durch Kauen und Nagen abgenutzt werden. Gerade bei diesen Tieren ist ein stabiler Kieferknochen wichtig. Wird durch das Fehlen eines Hormons. das wichtig für den Knochenstoffwechsel ist der Kieferknochen instabil, schieben sich die Zähne immer weiter in den weichen Kieferknochen hinein und begünstigt die Abszessbildung. (vgl. „Das retrograde Zahnwachstum“, A. Rühle 2017)

Bei den Rammlern gehen manche Tierschützer einen anderen fragwürdigen Weg und bewerben eine Frühkastration bereits mit 8 Wochen. Rammler sind frühestens mit 12 Wochen in einem zeugungsfähigen Alter, d.h. sie treten zu diesem Zeitpunkt in die Pubertät ein. Jedoch haben die Jungrammler am Anfang ihrer Pubertät oft noch nicht wirklich Interesse an der Fortpflanzung. Ausnahmen gibt es natürlich immer und um das zu beurteilen, ist sicher etwas mehr Erfahrung mit Kaninchen nötig. Das bedeutet, dass sie bis zu einem Alter von etwa 12 bis 16 Wochen, also mit dem Eintritt in die Pubertät, noch in einem Entwicklungsstand eines Kaninchenbabys sind. Werden Kaninchen im Baby-/Kindesalter kastriert, bleiben sie ein Leben lang in der Entwicklung eines Babys oder Kindes, sowohl physisch als auch psychisch. Das Wachstum wird in der Hypophyse gesteuert, in der auch das Hormonsystem kontrolliert wird. Das bedeutet, dass die Kaninchenkinder zwar wachsen, auch wenn ihnen ein wichtiges Hormon fehlt, jedoch fehlt es den Knochen von Anfang an an Festigkeit.
Der einzige Vorteil, der im Tierschutz angegeben wird, warum eine Frühkastration als vorteilhaft empfunden wird, ist, damit die Jungrammler nicht von der Familie getrennt werden müssen, um eine weitere Fortpflanzung zu verhindern. Würde man während oder nach der Geschlechtsreife die Jungrammler kastrieren, wird zu einer 4 bis 6wöchigen Trennung von fortpflanzungsfähigen Weibchen geraten. Für kastrierte Weibchen bedeutet ein potenter Rammler häufig Stress, jedoch würde ich das nicht als feststehende Regel sehen. Es kommt nicht zuletzt wie bei Allem auf das einzelne Tier und sein Verhalten an. Mehrheitlich hatte ich sehr unruhige potente Rammler, die ich kastrieren ließ. Ob wirklich eine sechswöchige Kastrationsfrist eingehalten werden muss, in denen die Tiere meist einzeln gehalten werden, konnte ich bisher nicht herausfinden, aus meiner Beobachtung heraus wurden die Kastraten schon nach 2,5 Wochen ruhiger und nach 3,5 Wochen war das Interesse an der Fortpflanzung nicht mehr vorhanden. Einige Tierärzte geben daher eine Frist von 4 Wochen als ausreichend an.

Setzen wir doch mal die Problematik bei Kaninchen in Relation:

Rammler sollten kastriert werden, damit kein unerwünschter Nachwuchs entsteht, sollten jedoch auch die Chance bekommen, sich ein wenig körperlich und geistig entwickeln zu können. Das schließt eine Frühkastration bis zur 12. Woche auf jeden Fall aus, ideal wäre natürlich, man gibt ihnen noch etwas mehr Zeit für die Entwicklung. Kleine Rassen sind im Alter von 9 bis 12 Monaten ausgewachsen, große Rassen etwa im Alter von 15 bis 18 Monaten. Eine Kastration in der 12.Woche sollte für Jungrammler der früheste Zeitpunkt sein, so gibt man ihnen wenigstens die Gelegenheit, sich aus dem Kindesalter heraus zu entwickeln. Mir sind auch einige Fälle von Jungrammlern (Zwergkaninchen) bekannt, die erst im Alter von 15 bis 16 Wochen kastriert wurden, bis dahin in einem abgegrenzten Gebiet nur mit der Familie zusammen blieben und auch da gab es keine Fortpflanzung unter Familienmitgliedern. Ob das Zufall war oder eine Frage der Haltungsbedingungen lässt sich mit wenigen Fällen nicht beantworten, ich finde sie jedoch zumindest erwähnenswert.
Jedoch ist es auch für ein Kaninchenpärchen weniger belastend, wenn sie einmal 4 bis 6 Wochen neben ihrem zukünftigen Kaninchenpartner verbringen müssen, als in die Entwicklung eines Jungrammlers derart einzugreifen.