Homöopathie – hat sie Nebenwirkungen?

Wenn die Homöopathie, auch bekannt als „klassische Homöopathie“ von einem gut ausgebildeten Homöopathen, bzw. Tierhomöopathen ausgeübt wird, weiß der Fachmann bzw. die Fachfrau auf was während einer Behandlung zu achten ist. Eine solche Ausbildung umfasst eine mehrjährige spezielle Homöopathie-Ausbildung, die in dieser Form oft nicht Teil einer (Tier-)Heilpraktiker Ausbildung oder eines Tiermedizinstudiums ist.

Anders sieht es aus, wenn „homöopathische Tipps“, „Schüsslersalze“, etc. in Internetforen und unter den Haltern ausgetauscht werden, weil ein Mittel einmal seinem Tier geholfen hat.

Leider ist es oft so, dass Tierhalter ihren Tieren homöopathische Mittel verabreichen, meistens in Form von Globuli als Einzelmittel oder in flüssiger Form als Komplexmittel, die ihnen im Internet oder im Bekanntenkreis empfohlen wurden, diese werden als Dauermedikation verabreicht und „trotzdem“ scheint es den Tieren immer schlechter zu gehen. Wenn es dem Patienten mit dem homöopathischen (bzw. potenzierten) Mittel immer schlechter geht, ist zu überprüfen, ob das Mittel überhaupt jemals das Richtige war oder inzwischen zu einer Art Überdosierung gekommen ist, die wir (Tier-)Homöopathen Arzneimittelprüfung nennen. Dieses zu beurteilen ist für den homöopathischen Laien normalerweise kaum möglich.

Auch Tierärzte, die keine klassisch homöopathische Ausbildung haben, verschreiben hin und wieder ihren tierischen Patienten „ein paar Globuli“, weil „es nicht schaden kann“. Das ist leider nicht ganz richtig.

Homöopathisch nicht ausgebildete Tierärzte können in ihrem Bereich gute Tierärzte sein, dennoch haben sie ein anderes Verständnis für Krankheiten.
Eine Krankheit im Sinne der Schulmedizin wird mit einem Medikament bekämpft und mit diesem Verständnis werden dann leider auch homöopathische Mittel verabreicht. Homöopathen behandeln zwar auch Krankheiten, jedoch wird dasjenige homöopathische Mittel verabreicht, das in seinem Arzneimittelbild den Symptomen des Patienten am ähnlichsten ist, um dem Organismus eine wegweisende Information zu geben, was dieser tun muss, um sich besser zu fühlen oder geheilt zu werden. Eine erfolgreiche homöopathische Behandlung hängt jedoch nicht nur von der Auswahl eines Mittels ab, sondern vor Allem von der Verlaufskontrolle der homöopathischen Behandlung. Nicht selten wird im Verlauf festgestellt, dass die Dosierung, die Potenz oder auch das Mittel gewechselt werden muss. Nicht immer hat man mit nur einem homöopathischen Arzneimittel den endgültigen Erfolg.

Wenn also jemand, der die Homöopathie nicht gelernt hat, ein Mittel verschreibt, das einen Zustand bekämpfen soll, kann es sogar sein, dass man Glück hat und man erwischt zufällig ein passendes Mittel, das dem Tier erstmal hilft. Allerdings sollte das nicht dazu verleiten, das einst hilfreiche Mittel immer weiter zu geben, weil es so gut geholfen hat. Ist der Punkt erreicht, indem das Mittel seine Arbeit verrichtet hat, kann sich die Krankheit wieder verschlechtern, es kann aber auch eine scheinbare Verschlechterung sein. Eine solche Symptomatik kann jedoch nur der Homöopath anhand der Verlaufskontrolle beurteilen. Aber auch Mittel, die nicht passen, können sowohl zu einer kurzfristigen Verbesserung, als auch zu einer langfristigen Verschlechterung des Zustandes führen. Auch wenn ein Mittel hilft, kann der Tierhalter nicht unterscheiden, ob die Krankheit unterdrückt (in andere Bereiche verschoben) wurde oder es sich tatsächlich um Heilungsprozesse handelt.

Deshalb geht jeder homöopathischen Behandlung eine ausführliche Symptomsuche (homöopathische Erstanamnese) voraus, danach sucht der Tierhomöopath in kleinster Detektivarbeit mit Hilfe von Repertorien und Materia Medicae ein Mittel für den Patienten heraus, das seinem Organismus hilft, wieder ins Lot zu kommen.
Wird nun das homöopathische Mittel bedenkenlos gegen ein Leiden eingesetzt, kann das Tier in einen Verschlimmerungszustand kommen, den man in der Homöopathie Arzneimittelprüfung nennt. Der Laie ist meist nicht in der Lage eine Arzneimittelprüfung von einem neuen Leiden zu unterscheiden und gibt fälschlicherweise vielleicht das nächste Mittel bzw. das Tier erhält weitere Medikamente, obwohl es sich evtl. nach Absetzen des Mittels von selbst wieder gegeben hätte.
Das gilt übrigens ebenso für alle Komplexmittel, die meist sehr viele potenzierte (bekannt als „homöopathische“) Mittel enthalten.

Wie lange und wie oft man ein Mittel gibt, dafür gibt es keine Regel. Das ist abhängig von der Krankheit, der Lebenskraft des Tieres, von der Potenz des Mittels und dem Mittel selbst, von der Häufigkeit der Gaben, etc.
Ein klassisch arbeitender Tierhomöopath oder Homöopath kann dieses über die  o.g. regelmäßige Verlaufskontrolle einschätzen und muss immer wieder neu beurteilen, ob die Dosierung, die Potenz oder das Mittel noch stimmig ist.

Ein Mittel, das der Tierhomöopath für ein bestimmtes Tier ausgesucht hat, sollte auch nicht an mehreren Tieren ausprobiert oder an Bekannte wegen guter Erfahrungen weitergegeben werden.

Eine Anmerkung, die ich auch noch für wichtig halte: Häufig wird unter dem Begriff „Homöopathie“ alles verstanden, was Tierheilpraktiker und Heilpraktiker so machen. „Hauptsache pflanzlich“, heißt es dann. Die Homöopathie ist jedoch eine eigenständige Behandlungsmethode mit klar festgelegten Regeln, die spezielles Wissen erfordert, und eine lebenslange Beschäftigung mit dieser Methode. Jeder Patient ist anders, auch wenn viele Patienten die gleiche Krankheit haben, so ist das Mittel dennoch oft ein Anderes, das für diesen einen Patienten mit seinen ganz eigenen Symptomen ausgesucht wird.

Um also die Eingangsfrage zu beantworten: Die Homöopathie hat keine Nebenwirkungen und ist eine sehr sanfte Behandlungsmethode, jedoch sollte dies  jemand übernehmen, der sich damit auskennt.